Japanese Modern: Wie Tendo Mokko eine Designbewegung prägte

Spoke Chair by Katsuhei Toyoguchi

Das japanische Möbeldesign der Nachkriegszeit hat einen ganz eigenen Charakter. Es ist geprägt von stiller Eleganz, einer tiefen Wertschätzung natürlicher Materialien und einem feinen Zusammenspiel von Funktion und Form. Dabei verbindet es die Einflüsse der internationalen Moderne mit den Traditionen japanischer Wohnkultur, in der das Leben auf Tatami-Matten nach wie vor eine wichtige Rolle spielt.

In den 1950er- und 1960er-Jahren entwickelte sich daraus eine eigenständige Formensprache, die heute als Japanese Modern bekannt ist. Einen wesentlichen Beitrag zu ihrer Entstehung leistete auch der Möbelhersteller Tendo Mokko.

Zwischen japanischer Tradition und internationaler Moderne

Eine wichtige Vermittlerin zwischen japanischer Tradition und internationaler Moderne war die französische Architektin und Designerin Charlotte Perriand, die zuvor im Atelier von Le Corbusier gearbeitet hatte. Auf Empfehlung des Architekten Junzo Sakakura wurde sie 1940 vom japanischen Handels- und Industrieministerium als Beraterin für Exporthandwerk nach Japan eingeladen. Als Assistent und Dolmetscher begleitete sie der junge Sori Yanagi, der später mit dem berühmten Butterfly Stool Designgeschichte schreiben sollte.

Gemeinsam bereisten sie das Land, besuchten Handwerksbetriebe und setzten sich mit traditionellen Materialien und Fertigungstechniken auseinander. Perriands Anliegen: die japanische Handwerkstradition bewahren und zugleich neue gestalterische Wege eröffnen. 1941 zeigten Perriand und Sakakura ihre Ergebnisse in der Ausstellung «Tradition, Selection, Creation».

Japanese Modern entsteht

Einen entscheidenden Impuls für die Entwicklung einer eigenständigen japanischen Designidentität gab der Designer Isamu Kenmochi. 1952 reiste er in die USA, wo er unter anderem Charles und Ray Eames kennenlernte. Die Begegnung mit der amerikanischen Moderne bestärkte ihn in der Überzeugung, dass Japan nicht einfach westliche Designvorbilder übernehmen, sondern eine eigene moderne Formensprache entwickeln sollte.

Den Begriff Japanese Modern übernahm Kenmochi dabei aus der amerikanischen Designwelt, in der Bezeichnungen wie Swedish Modern bereits gebräuchlich waren. Er machte ihn zum Programm: modernes Design, das auf japanischen Materialien, handwerklichen Techniken und den Wohngewohnheiten des Landes aufbaut.

Tendo Mokko – Handwerk trifft Innovation

1940 schlossen sich in der nordjapanischen Stadt Tendo Schreiner, Tischler und andere Holzhandwerker zu einer Genossenschaft zusammen. Nach dem Krieg begann das Unternehmen, sich intensiv mit einer damals noch jungen Technik zu beschäftigen: dem Formsperrholz.

Dabei werden dünne Holzschichten miteinander verleimt und unter Hitze und Druck in eine Form gepresst. So entstehen geschwungene, leichte und zugleich stabile Formen, die mit massivem Holz kaum möglich wären. Tendo Mokko entwickelte diese Technik weiter und gehörte zu den ersten japanischen Herstellern, die sie erfolgreich für die industrielle Möbelproduktion einsetzten. Eine wichtige Rolle spielte dabei der Ingenieur Saburo Inui.

Doch nicht nur die Technik machte Tendo Mokko besonders. Das Unternehmen suchte früh die Zusammenarbeit mit renommierten Architekten und Designern wie Isamu Kenmochi, Sori Yanagi, Junzo Sakakura und Riki Watanabe. Ihre Entwürfe wurden gemeinsam mit den erfahrenen Handwerkern und Ingenieuren in die Produktion umgesetzt.

Gleichzeitig öffnete sich Tendo Mokko dem Nachwuchs: Ab 1961 veranstaltete das Unternehmen eigene Möbel-Designwettbewerbe, um junge Talente zu fördern. Einige der ausgezeichneten Entwürfe wurden anschliessend tatsächlich produziert – darunter auch der Murai Stool von Reiko Tanabe.

So entstand bei Tendo Mokko eine besondere Verbindung von handwerklicher Tradition, technischer Innovation und gestalterischer Offenheit. Sie prägt das Unternehmen bis heute

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